Dissertation über Krisenmanagement in der Verwaltung gewinnt Kommunalwissenschaftlichen Goerdelerpreis 2026
Am 2. Februar wurde Dr. Alexa Lenz von der Ludwig-Maximilians-Universität München im Neuen Rathaus zu Leipzig mit dem Kommunalwissenschaftlichen Goerdelerpreis des Carl und Anneliese Stiftungsfonds der LEIPZIGSTIFTUNG für ihre herausragende Dissertation im Bereich der Kommunalpolitik und -verwaltung ausgezeichnet. In ihrer Arbeit untersucht sie unter anderem, wie deutsche Kommunen auf Krisen reagieren und unter Krisenbedingungen handlungsfähig bleiben.
In der anschließenden, von Ferdinand Schuster moderierten Diskussion debattierten die Preisträgerin, der Leipziger Oberbürgermeister und Städtetagspräsident Burkhard Jung, Hanna Saur (Amtsleiterin Bürgerservice der Stadt Leipzig) sowie Oberst Michael Popielas (Kommandeur des Landeskommandos Sachsen der Bundeswehr) über die Herausforderungen des Krisenmanagements für die öffentliche Verwaltung.
Oberbürgermeister Jung verwies auf die in Krisen besonders wichtigen Abstimmungen zwischen den Gebietskörperschaften und föderalen Ebenen. Er appellierte an Bund und Länder, die Kommunen frühzeitig in entsprechende Planungs- und Gesetzgebungsverfahren einzubinden.
Preisträgerin Alexa Lenz hob die in Krisenfällen notwendige enge Kooperation zwischen Bund, Ländern und Kommunen hervor. Das Bewusstsein dafür sei insgesamt gestiegen. Zudem betonte sie, dass die öffentliche Verwaltung aus vergangenen Krisen durchaus gelernt habe. Sie verwies auch auf die zentrale Rolle von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern; insbesondere spontanes Engagement sei jedoch oft schwer einzubinden. Auch hier habe die Verwaltung in den vergangenen Jahren dazugelernt - vielerorts gebe es inzwischen Koordinatoren für das Ehrenamt.
Die Leipziger Amtsleiterin Hanna Saur betonte, dass die kommunale Verwaltung in Krisen vor allem schnell handeln müsse - etwa, um kurzfristig zahlreiche Schlafplätze für Geflüchtete bereitzustellen. Gut digitalisierte Verwaltungen mit klar beherrschten Prozessen seien in solchen Situationen deutlich besser aufgestellt als analog arbeitende Organisationen.
Oberst Michael Popielas ging auf die aktuelle Rolle der Bundeswehr ein: Nach vielen Jahren internationaler Stabilisierungsmissionen - etwa in Mali oder Afghanistan - rücke nun wieder die Landes- und Bündnisverteidigung in den Vordergrund. Dies verlange von der Bundeswehr, nicht nur militärische Parameter, sondern auch die zivil-militärische Zusammenarbeit verstärkt mitzudenken.
Der Preis wird zweijährlich vom Carl und Anneliese Goerdeler-Stiftungsfonds der LEIPZIGSTIFTUNG in Zusammenarbeit mit der Stadt Leipzig sowie dem Institut für den öffentlichen Sektor e. V. verliehen. Am 2. Februar 1945 wurde der Namensgeber, der ehemalige Leipziger Oberbürgermeister Carl Goerdeler, von den Nationalsozialisten ermordet. Der Preis erinnert an sein kommunalpolitisches Wirken und seine Arbeit im Widerstand gegen die Gewaltherrschaft.
