Ein Kunstraum als Schaufenster
Projekt der Filmischen Initiative Leipzig konnte mit Unterstützung durch die LEIPZIGSTIFTUNG fortgeführt werden
Seit 2021 betreibt die Filmische Initiative Leipzig FILZ e. V. mit dem .mpeg ein einzigartiges Schaufenster für experimentelle Filmkunst in der Lützner Straße 39 in Altlindenau. Der Kunstraum versteht sich als hybride Intervention im Stadtraum: zugleich Videoskulptur, Display, künstlerisches Statement und öffentlicher Begegnungsort. Nach Einbruch der Dunkelheit sind Filme und Videoinstallationen vom Gehweg aus einsehbar - barrierefrei, kostenlos und jederzeit zugänglich, ohne dass der Raum selbst betreten werden muss. Das .mpeg erschließt damit neue Wege der Kunstvermittlung im öffentlichen Raum. Es lädt nicht nur dazu ein, Filmkunst außerhalb klassischer Ausstellungsräume zu erleben, sondern ermöglicht auch beiläufige, spontane Berührungspunkte im Alltag. Das Projekt richtet sich bewusst nicht nur an ein kunstaffines Publikum, sondern lädt Menschen jeden Alters und Hintergrunds dazu ein, sich auf neue Perspektiven einzulassen.
2024 wurde mit dem Programm movement ein neues Projekt für das .mpeg aufgelegt. Den thematischen Rahmen bildete dabei der Begriff "Bewegung" als physische, soziale, politische oder auch ästhetische Erscheinung. In einer Zeit, in der sich sowohl der individuelle Alltag als auch globale Verhältnisse in ständiger Veränderung befinden, setzte .mpeg einen Fokus auf filmische Arbeiten, die Dynamik, Wandel und Reibung thematisieren. Bewegung wurde dabei nicht nur im Sinne von Fortbewegung oder Protest verstanden, sondern auch als innerer Impuls, als Metapher für Transformation, Widerstand oder als Suchbewegung.
2025 lag der Projektfokus auf einer stärkeren Einbeziehung regionaler Künstler. Besonders wichtig war dabei, die eingeladenen filmischen Arbeiten nicht nur im Schaufenster zu zeigen, sondern durch Vernissagen, Events und durch die Anbindung an das lokale Festival Lindenow persönliche Begegnungen und Gespräche zu ermöglichen. Durch eine Förderung der LEIPZIGSTIFTUNG von 900 Euro konnte movement im zweiten Halbjahr 2025 weitergeführt werden. Diese Förderung trug dazu bei, den Kunstraum .mpeg als offenen, niedrigschwelligen und zugleich künstlerisch profilierten Ort im Leipziger Westen weiter zu etablieren.
Im zweiten Halbjahr 2025 wurden insgesamt drei künstlerische Arbeiten präsentiert. Den Auftakt bildete der autobiografische Animationsfilm Feferle der Hallenser Malerin und Animationsfilmerin Alicia Khaet. Ausgehend von Fundstücken, Erinnerungsobjekten und familiären Spuren entfaltet der Film eine vielschichtige Auseinandersetzung mit Trauer, Herkunft und der Geschichte einer jüdischen Familie, deren Wege durch Osteuropa führen. Die Arbeit verbindet persönliche Erinnerung mit historischen und kulturellen Verschiebungen und passte damit in besonderer Weise zum kuratorischen Fokus auf Bewegung als innerer und biografischer Transformationsprozess. Die Filmpräsentation wurde durch eine Midissage mit Gästen und DJ-Set begleitet, wodurch ein zusätzlicher öffentlicher Anlass für Begegnung und Austausch entstand.
Als zweite Arbeit wurde Performative Ausflüge ins Hinterland des Leipziger Performance- und Videokünstlers Christoph Blankenburg gezeigt. Die Präsentation fand im Rahmen des Lindenow-Festivals statt und war Teil des offiziellen Festivalprogramms. Die Arbeit zeigt einen Protagonisten, der eine durch menschliches Eingreifen geformte Landschaft performativ erkundet. Das Erklimmen, Scheitern, Neubeginnen lassen eine sisyphosartige Handlung vermuten, sind aber Resultat des realen Vorgangs, der dem Zufall und der Spontanität unterworfen ist. Für diese Präsentation wurde das Konzept des Schaufensters erweitert und ein zusätzlicher Monitor mit einer zusätzlichen Kamera im Inneren der Hütte platziert, die mit dem Hauptdisplay interagiert. So wurde erprobt, wie sich das Format des Filmkunstschaufensters mit einfachen Mitteln räumlich und programmatisch erweitern lässt.
Den Abschluss bildete die Präsentation des Fotofilms HALT des Leipziger Fotografen und Filmemachers Jonas Matauschek. HALT ist ein Denkmal für eine Bushaltestelle, die bis 2019 an der Merseburger Straße, in der Nähe des Standortes des .mpeg existiert hat. Aus unerfindlichen Gründen wurde nie eine Sitzbank eingebaut, also begannen Leute aus der Nachbarschaft, sie eigenständig zu möblieren. Diese verschiedenen Zustände dokumentiert der Film und macht so sichtbar, wie öffentlicher Raum durch Nutzung, Improvisation und soziale Spuren verändert wird. Auch hier wurde Bewegung nicht nur als Ortswechsel verstanden, sondern als Veränderung im Stadtraum, als beiläufige Praxis und als Ausdruck nachbarschaftlicher Aneignung.

















