"Musik auf der Flucht"
Jubiläumsausgabe der Schönefelder Schlosskonzerte wurden von der LEIPZIGSTIFTUNG mit 1.000 Euro gefördert.
Im vergangenen Jahr stand ein rundes Jubiläum an: die Schönefelder Schlosskonzerte des Alte Musik e. V. konnten 2025 auf 30 erfolgreiche Jahre zurückblicken. Unter dem Titel "Musik auf der Flucht" wurden in der Jubiläumssaison sieben Konzerte über Barockmusik in Zeiten des Exils aufgeführt.
Im Fokus stand die Zeit des Barock, wo Musiker aus wirtschaftlichen, religiösen, kriegsbedingten oder anderen Gründen ihre Heimat oder ihre Arbeit verlassen mussten. Epidemien, Kriege oder religiöse Verfolgung trieben zahllose Menschen durch ganz Europa. Was auch der Grund im einzelnen war, weshalb Musiker oder ganze Hofkapellen fliehen mussten, die Tatsache der Flucht machte viele von ihnen zu Kosmopoliten, die ihren Musikstil in andere Länder trugen und selbst Anregungen in der Fremde empfingen. Im Austausch zwischen Musik und Moderation entsteht ein lebendiges Bild der Musik im Rahmen der Lebenswelt des Barock und der Frühklassik.
Übersicht der Konzerte
Konzert im Februar 2025: "Von Böhmen nach Sachsen - Religiöse Wanderungsbewegungen"
Im 17. & 18. Jahrhundert gab es zwei unterschiedliche Einwanderungsbewegungen von Böhmen nach Sachsen. Die erste war Folge des 30jährigen Krieges und der daraus resultierenden Vertreibung von ca. 150.000 böhmischer Protestanten. Adelsfamilien mit Bediensteten (inkl. Musiker) und Kirchgemeinden (z. B. Herrnhuter Brüdergemeinde) nebst Kirchenmusikern siedelten sich in Sachsen an.
Werke u. a. v. A. Hammerschmidt, F. Benda & J. D. Zelenka
Konzerte im März 2025: "Wunderkinder auf der Flucht - Des 30jährige Krieges und in Zeiten der Pest"
Johann Jakob Froberger und Johann Heinrich Schmelzer galten als musikalische Wunderkinder. Das Los aber, vertrieben zu werden, teilten sie mit vielen ihrer Mitmenschen. Froberger wuchs im 30jährigen Krieg auf, floh u.a. nach Wien, Italien und Madrid. Schmelzer wuchs in einem Feldlager im 30jährigen Krieg auf, wurde Geiger der Wiener Hofkapelle, floh vor der Pest nach Prag, wo er an dieser Krankheit starb.
Werke u. a. v. J. J. Froberger & J. H. Schmelzer
Konzert im Juni 2025: "Zwischen den Fronten - Flucht vor fremden Armeen"
Während des "Großen Nordischen Kriegs" war Georg Philipp Telemann Kapellmeister in Sorau. 1706 musste er vor der Front nach Eisenach fliehen. Georg Muffat war Organist des im Exil wirkenden Straßburger Domkapitels, aber ein Erbfolgekrieg zwang ihn zur Flucht. Er war mit Lully und Corelli befreundet und seine Erläuterungen zum italienischen und französischen Stil sind noch heute gültig.
Werke u. a. v. G. Ph. Telemann & G. Muffat
Konzert im September 2025: "Eskapaden und Komplotte - Flucht vor Gesetz und Vergeltung"
Johann Rosenmüller studierte in Leipziger, unterrichtete an der Thomasschule und musste wegen einer Anschuldigung nach Venedig fliehen, wirkte dort als Musiker und kehrte später nach Deutschland zurück. Antonio Stradella führte ein abenteuerliches Leben und musste wegen seiner Eskapaden Rom und Venedig verlassen. Die Affäre mit der Geliebten eines Patriziers resultierte in einem Mordanschlag.
Werke u. a. v. J. Rosenmüller & A. A. B. Stradella
Konzert im November 2025: "Musik zwischen Commonwealth und Monarchie - Flucht auf den Kontinent"
Nach der Hinrichtung des englische König Charles I. musste dessen Sohn auf den Kontinent fliehen. Musiker der Chapel Royal blieben in der Entourage des Königs. Das in London verbliebene Ensemble schmolz zusammen. Die englische "Chapel Royal" nahm Anregungen der französischen "Chapelle Royale" auf und der Kontakt blieb auch nach der Rückkehr der Hofkapelle nach London erhalten.
Werke u. a. v. J. Blow, H. Purcell & G. F. Händel
Konzert im Dezember 2025: "Eine musikalische Irrfahrt - Mit dem Kurfürsten im Exil"
Evaristo Dall’Abaco kam als Cellist an den Münchener Hof. Wegen Erbfolgekriegen musste der Hof ins Exil nach Brüssel gehen. Auf der Flucht zog Max II. Emanuel mit seiner Hofmusik durch ganz Europa und kehrte 1715 nach München zurück.
Werke u. a. v. E. F. Dall’Abaco, G. Torelli & T. A. Vitali







